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Musikalischer Hochleistungssport

Wenn sich beim Grüscher Werkhof der Duft von frischer Polenta mit jenem von feuchter Sprühlackfarbe, schalem Bier und dem süsslichen Geruch von verbranntem Rauschkraut vermischt, dann ist Polenta Jam. Zur 15. Ausgabe kam dieses Jahr auch der König des deutschen Raps.

Gian Andrea
Accola
Sonntag, 16. Juli 2017, 16:16 Uhr Erfolgreiche Bündner am Polenta Jam

Viel Gutes habe er über den Polenta Jam gehört, sagte Kool Savas während seines Auftritts zum berauschten Publikum. «Alles hat sich bewahrheitet.» Der wortgewaltige Auftritt des selbst ernannten Königs des deutschsprachigen Raps markierte den Höhepunkt am diesjährigen Grüscher Open Air.

Als der mittlerweile schon 42-jährige Deutschtürke gegen 1.15 Uhr am frühen Sonntagmorgen ans Mikrofon trat, kochte die Menge ab dem ersten Takt. Der gebürtige Aachener zeichnet sich aus durch einmaligen Sprachfluss, innovative Reimtechnik, brillanten Wortwitz und unwahrscheinliches Tempo. Was Kool Savas jeweils auf die Bühne zaubert, gleicht musikalischem Hochleistungssport.

«Bitte kifft nicht gleich hier vorne in der ersten Reihe. Ich muss atmen.»

Tadelloser Übergang zu Takt32

Im Vorfeld seines Auftritts musste man sich fragen, ob es Kool Savas auch mit seinem neuen Bühnenpartner Takt32 gelingen würde, zu überzeugen. Dieser machte sich vor allem durch seine Auftritte bei der Berliner YouTube-Kult-Serie «Rap am Mittwoch» einen Namen. Bereits bei seiner ersten Teilnahme duellierte sich Takt32 dabei in sogenannten Battles, also Kämpfen bis ins Finale der Show.

Den Übergang von seinem früheren und ebenfalls aus Berlin stammenden Back-up-Rapper Laas Unltd. zu Takt32 meisterte Kool Savas absolut tadellos. Während gut 100 Minuten brachten die beiden eine makellose Show auf die Grüscher Bühne. Jede einzelne Silbe passte haargenau, obwohl sich Kool Savas mehrfach über das qualmende Publikum beklagte. «Bitte kifft nicht gleich hier vorne in der ersten Reihe. Ich muss atmen.»

Das gewaltige Konzert des deutschen Rappers, der bürgerlich Savaş Yurderi heisst, war zweifellos das erhoffte Highlight des insgesamt 15. Polenta Jam im vorderen Prättigau.

Der Funke sprang nicht über

Vielleicht lag es daran, dass der König erst noch folgen sollte und sich das Publikum dafür eine Reserve zurückhielt. Vielleicht lag es an der teilweise lausigen Technik bei ihrem Auftritt. Vielleicht war es aber auch einfach nicht ihr Abend: Die Schweizer Rap-Crew Möchtegang vermochte beim Polenta Jam nicht restlos zu überzeugen. Irgendwie sprang der Funken nicht so richtig über.

Das Unheil begann, als sich der Winterthurer Thomas Egli (alias Phumaso) und der Wollerauer Simon Kessler (alias C.mEE) über ihre Kabelmikrofone beschwerten. Im Gegensatz zu den kabellosen Mikros ihrer Mitstreiter, waren ihre verkabelten viel zu leise eingestellt. Ihre Stimmen gingen während knapp der Hälfte des Auftritts völlig unter. Was die Technik vermissen liess, versuchte Kessler immerhin durch seine Energie auf der Bühne zu kompensieren. Dies ist ihm unter den gegebenen Umständen hoch anzurechnen.

Dass der Glarner Rapper Bandit seine Textsicherheit vermissen liess, kam beim Auftritt der Möchtegang erschwerend dazu. Immerhin improvisierte er gekonnt, um seine textlichen Aussetzer abzufedern.

Zwei regionale Glanzlichter

Aus Bündner Sicht kann der Polenta Jam als Erfolg verbucht werden. Zwar scheiterte der Churer Graffiti-Künstler Bane früh im Sprayer-Wettbewerb, dem sogenannten Bombers Battle. Für Graubünden holte stattdessen Sandro Gansner, oder Hedgehog, die Kohlen aus dem Feuer. Der Mundart-Musiker aus Chur überzeugte mit einem erfrischenden und energiegeladenen Auftritt. Hedgehogs Musik verbreitete in Grüsch gute Laune. Für seine aktuelle Einzelspielplatte «Endlich» kürte ihn Radio SRF3 kürzlich zum «Best Talent» des Monats Juli.

Positives gibt es auch aus dem Nachwuchsbereich zu berichten. Den sogenannten «Pole Position Contest» für Rap-Newcomer gewann Kesh aus Zizers. Der aus Potsdam stammende Rapper setzte sich gegen drei Konkurrenten durch. Kesh darf zur Belohnung im folgenden Jahr im Abendprogramm des Polenta Jam auftreten.

Quelle: Südostschweiz

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